Für unsere Schülerinnen und Schüler liegt die DDR heute zeitlich ähnlich weit zurück wie für frühere Generationen der Zweite Weltkrieg. Sie erscheint vielen als fernes Kapitel deutscher Geschichte – oft geprägt von filmischen Darstellungen wie „Good Bye, Lenin!“ oder „Sonnenallee“, die nicht immer ein vollständiges Bild vermitteln.

Um Geschichte greifbar zu machen, durften wir auch in diesem Jahr wieder einen Zeitzeugen an unserer Schule begrüßen: Thomas Raufeisen. Er berichtete eindrucksvoll von seinen persönlichen Erfahrungen mit dem SED-Regime. Als Sohn eines enttarnten Stasi-Spions musste er zwangsweise mit seinen Eltern Anfang der 1980er-Jahre in die DDR flüchten, wogegen er immer wieder aufbegehrte. Entsprechend eckte er beim SED-Regime an und war in den Haftanstalten Berlin-Hohenschönhausen und Bautzen II inhaftiert. Heute engagiert er sich unter anderem als Guide in der Gedenkstätte Hohenschönhausen und leistet wichtige Erinnerungsarbeit.

In einem freien und sehr persönlichen Vortrag schilderte Herr Raufeisen nicht nur die Repressionen und Drangsalierungen innerhalb einer totalitären Diktatur, sondern auch Facetten des Alltagslebens in der DDR. Die Schülerinnen und Schüler der Q4, die das Thema zuvor im Unterricht behandelt hatten, hörten aufmerksam zu und nutzten die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen – etwa zu Jugendkultur, Kleidung, Musik und Freizeitgestaltung in der damaligen Zeit.

Besonders eindrücklich war ein mitgebrachtes Anschauungsobjekt: eine Handgranate ohne Zünder, die Herr Raufeisen nach eigenen Angaben im Sportunterricht statt eines Balls werfen musste. Dieses Exponat sorgte für spürbare Betroffenheit und regte zum Nachdenken an.
Die 90 Minuten vergingen wie im Flug. Der Vortrag endete mit großem Applaus und weiteren persönlichen Gesprächen im Anschluss. Wir freuen uns sehr, dass Thomas Raufeisen bereits für Februar 2027 erneut zugesagt hat – es wird dann seine neunte Lesung an der ASS sein.

Text und Fotos: Boris Krüger