Besinnlichkeit. Hilfsbereitschaft. Herzenswärme. Es ist RiPa-Wochenende an der Albert-Schweitzer-Schule. Schulleiter Markus Crede spricht von einer wunderbaren Atmosphäre und von Gemeinschaft, die an diesen beiden Tagen besonders gepflegt wird. Seit nunmehr 70 Jahren wird die RiPa-Tradition an unserem Gymnasium gelebt. Es kommen ehemalige Schülerinnen und Schüler, ehemalige Lehrkräfte, Eltern, Kolleginnen und Kollegen.
Die ASS wird zu einem bunten und kreativen Ort – und zugleich zu einem Ort der Nächstenliebe. Denn neben der wohligen Einstimmung auf die Adventszeit geht es vor allem um eines: Menschen zu helfen, denen es nicht so gut geht. Dafür steht RiPa.
Der Freitagmorgen
Wer am Freitagvormittag das Hauptgebäude betritt, der merkt schnell, dass dies kein gewöhnlicher Schultag ist. Es werden Tische und Stühle gerückt, es herrscht wuseliges Treiben auf den Gängen, in den Klassenräumen und in der Aula. Jede Klasse, jeder Schüler, jeder Lehrer – die gesamte Schulgemeinde packt mit an. Die Vorfreude steigt: auf die Adventszeit, auf Weihnachten, auf das RiPa Wochenende.

Der RiPa Abend am Freitag
Zum feierlichen Auftakt am Freitagabend hatten die RiPa Vorbereitungsgruppe sowie die Schüler und Lehrer der 5. Klassen und der Q1 ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm in der Aula zusammengestellt. Los ging es mit dem spanischen Lied ‚Hola a todo el mundo’, gefolgt von Theaterszenen voller Mut, Herz und Nächstenliebe. Die Darbietungen ‚Gemeinsam sind wir stark’ und die ‚Happy Herzschlag Percussion’ vermittelten uns, dass Stärke und Mut nicht immer laut und groß, sondern auch leise und gefühlvoll sein können. Tara Neidhardts und Marlene Kistners Vortrag zu Albert Schweitzer zeigte uns bekannte Stärken und allzu menschliche Schwächen unseres Namensgebers, und das Klavierspiel von Artem Kolotenko ließ uns träumen. Die abschließende Tanz- bzw. Turnperformance mit dem Titel ‚Here we are’ sorgte für begeisterten Applaus.
Ein besonderer Programmpunkt war das Interview mit Frau Dr. Louise Rech. Die Ärztin aus Dänemark arbeitet für den Förderkreis Kooperation mit Indigenen in Amazonien e.V. (FKI) und berichtete eindrucksvoll von Ihrer Tätigkeit vor Ort in Südamerika. Im Gespräch mit den Schülern Dominik Hovenbitzer und Thang Nguyen Mau sagte sie zum Beispiel: „Jeder Euro, der hier gesammelt wird, ist dort das Zehnfache wert.“
Louise Rech machte noch einmal deutlich, dass 30 Prozent der Kinder vor dem zweiten Lebensjahr sterben, und zwar aufgrund von Krankheiten, die vermeidbar wären. Ganz im Sinne Albert Schweitzers verdeutlichte die Ärztin, wie dringend vor allem auch medizinische Unterstützung im Amazonas-Gebiet benötigt wird.
Der RiPa Basar am Samstag
Mit großem Engagement hatten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrkräften und Eltern zahlreiche Dinge und Aktionen vorbereitet. Liebevoll präsentiert und für den guten Zweck verkauft, wurden selbst hergestellte Produkte angeboten wie handgezogene Kerzen, Adventskränze, Weihnachtsschmuck aus Naturmaterialien, kunstvoll gestaltete Karten sowie kleine Geschenkideen aus Holz, Papier und vieles mehr. Eine Geisterbahn, ein Casino und vielfältige Spiel- und Mitmachaktionen sorgten für Spaß bei Groß und Klein. Außerdem lockte der alljährliche Bücherbasar der Deutschleistungskurse wieder die eine oder andere Leseratte an.
Selbstverständlich war auch für Essen und Trinken bestens gesorgt: Kuchenstände und Cafés, frische Waffeln, Wraps, eine Suppenküche und eine duftende Punschstation luden zum Verweilen ein. Die gemütliche Atmosphäre bot den zahlreichen Besuchern, unter denen auch viele ehemalige Schüler und Lehrer der Schule waren, Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Start in die Adventszeit gemeinsam zu feiern.
Der Erlös des RiPa Basars wird wie immer gespendet und geht an den Förderkreis Kooperation mit Indigenen in Amazonien e.V. (FKI). Schulleitung, Kollegium, Eltern und Schüler zeigten sich sehr stolz auf das große gemeinsame Engagement der gesamten Schulgemeinschaft. Nach ersten Schätzungen sind unglaubliche 17.000 Euro an Spenden zusammengekommen.
Mit vielen glücklichen Gesichtern endete ein rundum gelungenes Wochenende, das einmal mehr beweist: Der RiPa Weihnachtsbasar ist nicht nur Tradition, sondern ein echtes Highlight unserer Schule – voller Gemeinschaft und Herzenswärme.
Ripa-Herzensmomente

Und dann gibt es noch die Ripa-Herzensmomente. Fernab der verkauften Plätzchen, der Adventskränze und der Aktionsräume. Es sind die Momente, die nachhallen und unsere Herzen verbinden…
Es sind die strahlenden Gesichter von Benjamin und Emil aus der Klasse 6a, die voller Eifer gemeinsam ihre selbstgebastelten Weihnachtsbäume verkaufen. Ich frage, was RiPa für sie bedeutet. Die Antwort: Gemeinschaft. Freundschaft. Zusammenhalt.
Es ist das Gespräch mit einer sichtlich erschöpften, aber glücklich lächelnden Kollegin, die sich für ihre Schüler, für das RiPa-Wochenende, für die Schulgemeinschaft einsetzt. Für sie ist das eine Selbstverständlichkeit.


Es sind die fröhlichen Gesichter vieler Kolleginnen und Kollegen, die Gesichter der Eltern und Angehörigen. Viele Schüler, die alles geben, zusammenhalten, die Gemeinschaft erleben, Gutes tun wollen. Die Menschen helfen wollen, die sie nicht kennen, die Tausende Kilometer von ihnen entfernt leben. Weil jeder Mensch uns als Mensch etwas angeht.
Es sind die Gespräche mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern, die nun erfolgreich ihre eigenen Wege gehen, die mir erzählen, wie unsere Schule sie geprägt hat, was sie alles bei uns gelernt haben, wie sie am RiPa-Wochenende immer wieder ein Teil unserer Schulgemeinschaft werden und sich weiterhin mit dieser verbunden fühlen.


Es sind die leuchtenden Augen von Klara, Ecem und Valentina aus der Klasse 10e, als ich sie frage, warum RiPa für sie so wichtig ist. Für sie ist klar, dass wir als Abert-Schweitzer-Schule helfen müssen. Die Kinder vor Ort im Amazonas-Gebiet haben nicht die Möglichkeiten wie wir. Nicht jeder hat Zugang zu medizinischer Versorgung, ein Recht auf Bildung, nicht jeder kann sein Leben frei gestalten und eigene Wege gehen. Diese Kinder prägen uns auch, vielleicht helfen sie uns, später auch unseren eigenen Weg zu finden.
Und es ist die bewegende Geschichte des namenlosen Jungen auf dem Foto, von der Frau Dr. Rech erzählt. Dessen Schicksal lässt mich nicht los. Ich telefoniere mit der Ärztin, die inzwischen schon wieder nach Dänemark zurückgereist ist. Sie berichtet von Tito und seinem Leben, wie er als neunjähriger Junge auf das Gelände der Hilfsorganisation FKI kam. Unterstützt durch die von uns gesammelten Spenden, konnte Tito einen der ersten Albert-Schweitzer-Kindergärten besuchen, später die Grundschule und zu guter Letzt die Sekundarstufe und einen Schulabschluss machen. Heute arbeitet Tito, inzwischen 25 Jahre alt, als Krankenpfleger und gibt so viel Gutes zurück. Frau Dr. Rech berichtet, wie er heute vor Ort neue Helfer ausbildet und seinen Weg geht.

Diese Momente machen unser Ripa-Wochenende besonders. Momente, die unsere Herzen im Einklang schlagen lassen.

























