Auch in diesem Jahr zeigten die Schülerinnen und Schüler der Albert-Schweitzer-Schule wieder eindrucksvoll, wie vielfältig und kreativ Theater an unserer Schule sein kann. Mit viel Engagement, Fantasie und Teamarbeit entstanden mehrere, ganz unterschiedliche Produktionen, die das Publikum zum Lachen, Nachdenken und Mitfühlen einluden. Aufgespielt wurde zum ersten Mal im UK 14.
Chaos im Herzwald
Den Auftakt im UK 14 machte das Stück „Chaos im Herzwald“. Maya Brand verließ als eigensinniges Einhorn den sicheren, gli-gla-glücklichen Herzwald und begegnete auf seiner Reise vielen ungewöhnlichen Figuren, wie dem Was-Bären oder den Königsdöchtern. Gemeinsam erlebten sie turbulente Abenteuer, wagten das ein oder andere Tänzchen und stellten fest, dass Langeweile manchmal der Beginn von etwas ganz Neuem und Großartigem sein kann. Zunehmend ließen die Einhörner, gespielt von den Schülerinnen und Schülern der Theater-AG der 5 und 6 Klassen unter der Leitung von Ulrike Salwiczek, ihre „Kein Bock Einstellung, ihre Nös, Nees und Neins zurück. Sie bejahten das Leben. Und so tanzten am Ende alle ohne Reime, ohne Moral, aber voller Lebensfreude.
Szenen aus dem Roman „Die Welle“
Mit ernsteren gesellschaftlichen Themen setzte sich „Disziplin und Gemeinschaft. Oder?“ auseinander. Inspiriert von Szenen aus dem Roman „Die Welle“ von Morton Rhue zeigte das Stück eindrucksvoll, wie schnell Gemeinschaft in autoritäres Denken und Konformität, wie schnell Individualität in Ausgrenzung und Außenseitertum umschlagen können. Hände auf die Oberschenkel. Kopf nach vorn, Rücken gerade- Mr. Ross, gespielt von wechselnden Darstellerinnen, drillte seine Klasse gemäß der drei Motti der Welle „Macht durch Disziplin, Macht durch Gemeinschaft und Macht durch Handeln“, um seinen Schülern zu zeigen, wie Faschismus entstehen kann. Wer das weiße Halstuch nicht trug, war buchstäblich draußen. Gehörte nicht dazu. Aber die meisten gaben sich der Disziplin und dem Drill überraschend bereitwillig hin. Unter der Leitung von Beate Lange zeigte die Wahlunterrichtsgruppe der Jahrgangstufe 9 wie wichtig es ist, über Verantwortung, Gruppenzwang und demokratische Werte nachzudenken.
Wenn Ziegen, Frösche und Täubchen tanzen
Abgerundet wurde das Programm des ersten Theaterabends durch „Wenn Ziegen, Frösche und Täubchen tanzen“, eine märchenhafte Aufführung voller Musik, Bewegung und kreativer Ideen. Gespielt wurden Szenen aus „Der Wolf und die sieben Geißlein“, „Der Froschkönig“ und „Aschenputtel“. Sozial- und gesellschaftskritisch wurde es, als die alleinerziehende Mutter Geiß die sieben Kinderlein sich selbst überlassen musste, die Liebe der reichen Prinzessin und des armen Stallburschen auf Grund der Standesunterschiede nicht sein durfte, sich König und Königin über die Finanzlage und die Verteilung des Mental- Load und der Care-Arbeit in der Familie stritten. Auch die aus dem Off gurrenden, weisen Tauben, die sich stetig bürstenden, selbstverliebten und gestylten Stiefschwestern und der Prinz, der sogar die Zuschauer Schuhe anprobieren ließ, überzeugten auf ganzer Linie. Und weil Märchen immer gut ausgehen, tanzten am Ende sogar der expressiv spielende Wolf und die Mutter Geis einen versöhnlichen Walzer. Zum Abschluss gab es Blumen für Herrn Kraft, Leiter des Wahlunterrichts der Jahrgangsstufe 10, und tosenden Beifall.
Ver-rückt!? – Der ganz normale Wahnsinn
Wann ist man verrückt? Was ist für euch Wahnsinn? Diese Fragen wurden am zweiten Abend im UK 14 geklärt. Gespielt von den Darstellenden Spiel Grundkursen der Q2 unter der Leitung von Ulrike Salwiczek, ging es um die essenzielle Frage, wann ein Mensch eigentlich als wahnsinnig gilt. Was macht dich als Mensch aus? Weinst du mal? Bist du auch mal unperfekt? Zwischen Schmerz, gesellschaftlichem Druck und echter Menschlichkeit zeigte das Ensemble eindrucksvoll wie wichtig es ist, hinter die Kulissen zu schauen, Vorurteile zu hinterfragen und den Menschen selbst wahrzunehmen.
Ausgehend von Szenen zu der Geschichte des Wahnsinns und Definitionen des Begriffs durch die Darsteller lernte man eindrücklich, dass der Wahnsinn manchmal wie ein Nachtalb heimlich schleichend zu uns kommt, dass er zunehmend Besitz von uns ergreifen kann und dann sehr alltäglich in Form von wiederstrebenden, miteinander kämpfenden Emotionen unter uns weilt. Angststörungen, Verfolgungswahn und Stalking, mentaler Stress, Überbelastung, Selbstzweifel und Demütigungen – überzeugend zeigte die Aufführung die vielseitigen Facetten des Wahnsinns und so sprach der Wahnsinn selbst „Ich bin viele, doch ich gehe nie fort.“ Nachdenklich wurde es, als die Darsteller den Zuschauern die Frage stellten: Was würden sie tun? Was kann man tun? Die Antwort war: helfen, hinsehen, Mensch sein.
Die Allan Show
Deutlich bunter und glitzernder wurde es dann im letzten Stück des Abends. Aber nur auf den ersten Blick. In „Die Allan Show“, inspiriert von einer perfekt, glitzernden Barbie-Welt, spielten Gabriel Tetzner und sein Grundkurs Darstellendes Spiel der Jahrgangsstufe 12 mit Humor, Tanz und überraschenden Wendungen. Zu Beginn herrschte noch die perfekte Harmonie und Ordnung in der Barbie- und Kenwelt. Die Influencer Barbie, die Ökobarbie, die Fitnessbarbie und viele mehr machten ihr Ding, sie waren eigenständig, stark und frei, was den Kens so gar nicht gefiel. Selbst die gemeinsamen Liegestütze mit den Kumpels und das Schunkeln mit den Buddies vermochte diese nicht mehr aufzumuntern. Die Männer wollten mehr. Sie wollten Macht und Aufmerksamkeit. Zum Glück fand sich ein Buch zum Patriarchat im Zuschauerraum, welches der vermeintliche Schlüssel für ihre Probleme war. Begleitet durch Songs wie „Kämpf wie ein Alpha“ und vermeintliche Weisheiten männlicher Influencer, eingespielt in Form von Videoinstallationen, wurden die Kens zu stereotypen Alpha Kens gecoacht und lernten, dass ein Mann verführen und führen muss, dass er reich, hart und stark sein muss. Und so wich auch die Freiheit, Zufriedenheit und Unabhängigkeit der Barbies zunehmend der männlichen Kontrolle und Unterdrückung. Sie trugen nun Halstücher wie Hunde und wurden buchstäblich von den Kens an die Kette gelegt. Aber waren nun alle zufriedener und glücklicher? Nein! Erst als sich menschliche Abgründe auftaten, erhoben sich die Barbies und fanden zu ihrer wahren weiblichen Stärke zurück. Und auch die Kens wollten so gar nicht leben, denn eigentlich wollen doch alle nur eins: Liebe.
Ein Dankeschön und ein Ausblick
Und was bleibt? Zwei grandiose Theaterabende. Fünf unvergleichliche Inszenierungen. Vier Lehrkräfte des Fachbereiches darstellendes Spiel, die jedes Jahr an ihre Grenzen gehen und darüber hinaus. Unzählige motivierte und kreative Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 5-12, die die Stücke liebevoll einstudiert, geprobt und auf die Bühne gebracht haben. Dies alles zeigt, wie viel Talent, Kreativität und Teamgeist in unserer Schulgemeinschaft steckt.
Wir bedanken uns bei den zahlreichen Besucherinnen und Besucher für ihr Interesse und die Spenden am Ausgang.
Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Theaterjahr 2027 an der ASS mit neuen Aufführungen und vielen unvergesslichen Momenten.



























